Istanbul wie es anfing

Im Flugzeug musste jemand beim Hinflug auf den Sitz gekotzt haben. Jedenfalls konnte man noch deutliche Spuren davon im Sicherheitsgurt wahrnehmen. Auch der Sitz stank tierisch. Der Steward wischte dann noch ein bisschen pro forma daran herum, aber die Ankunft in Istanbul war alleine schon aus diesem Grund unheimlich erfreulich.

Helga tat alles, um mich davon abzulenken. Zum Beispiel, von ihren insgesamt 30 Jahre währenden Affairen mit diversen verheirateten türkischen Männern erzählen. Spannend, wenn eine 67jährige ehemalige Lateinlehrerin mal so aus der Kiste plaudert. Als Schülerin, früher, hatte ich immer nur mit so furztrockenen Lehrern und Lehreinnen zu tun. Denen hätte ich ein internationales, wildes Liebesleben in der Form nie zugetraut. Jedenfalls fühlte ich mich im Vergleich mit meiner Mitreisenden wie ein naives Mädelchen, was mit 39 Jahren ja doch eher ungewohnt ist.

Während sich unter uns der Bosporus ausbreitete, machte sich in mir das Gefühl breit, einem Sündenbabel entgegenzufliegen. Wohlgemerkt: für mich ist das Wort Sündenbabel durchaus positiv besetzt. Nach drei Jahren Single-Dasein kann ich mir eigentlich nichts Schöneres wünschen als ein massives, mein Leben aufwühlendes, allumfassendes und intensives Sündenbabel.

Also: Sündenbabel, ich komme.

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